Chronik der Arbeitsgemeinschaft für Gen-Diagnostik e. V. (AGD) (1984 – 1990)

Auf dem 16. Miami Winter Symposium (16. - 20.01.1984) "Adventes in Gene Technology : Human Genetic Disorders", auf dem erstmals die neuen Mög1ichkeiten der DNA-Sonden-Diagnostik international diskutiert wurden, reifte am Rande dieses Kongresses die Idee, in der Bundesrepublik Deutschland ein Forum für den Austausch von Daten und Meinungen zu schaffen. Die sich durch diese neue Forschungsrichtung ergebenden ethischen, rechtlichen und sozialen Implikationen für die Gesellschaft, den Menschen und die Natur sollten nach dem jeweiligen Kenntnisstand interfakultativ diskutiert werden. Gleichzeitig sollte die Genomforschung, als neues Teilgebiet der modernen Biotechnologie, in verstärktem Maße gefördert werden.

Die auf dieser Tagung anwesenden Wissenschaftler aus der Bundesrepublik Deutschland kamen zu der Meinung, daß dieses Zie1 am ehesten in einer interdisziplinär zu gründenden Arbeitsgemeinschaft realisiert werden könnte. Schon am 27.02. 1984 fand in Düsseldorf die Gründungsversammlung der AGD auf Initiative und unter Leitung von Albert J. Driesel statt. An ihr nahmen die Wissenschaftler Max P. Baur, Uwe Claussen, Karl-Heinz Grzeschik, Jürgen Henke, Klaus 0lek, Josef Römer und Jörg Schmidtke teil. Auf dieser Sitzung wurde die Satzung der AGD erstellt und die Registrierung beim Amtsgericht Düsseldorf unter der Nummer 6328 notariell veranlaßt. Beim Finanzamt Düsseldorf-Süd erfolgte danach die Anerkennung als gemeinnütziger Verein.

Die erste Arbeitstagung fand im September 1985 unter Leitung von Albert J. Driesel in der Winterscheider Mühle (Hennef/Sieg) statt; zu diesem Zeitpunkt zählte die AGD 25 Mitglieder. Die zweite Arbeitstagung im Oktober 1986 wurde in München von Frau Elisabeth Weiss ausgerichtet. Zu dieser Zeit konnten 39 Mitglieder verzeichnet werden. Ab der zweiten Jahrestagung werden die Abstracts der Vorträge im Journal Clinical Chemistry Clinica1 Biochemistry Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin, regelmäßig publiziert. Auf der dritten Jahrestagung im Juni 1987, die von Jörg Epplen in Freiburg ausgerichtet wurde, stieg die Zahl der Mitglieder auf 56 an.

Im April 1987 wurde auf der Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Biotechnologie die AGD in diese Vereinigung mit aufgenommen. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie veranstaltete die AGD im Oktober 1987 das Merck-Symposium unter dem Thema: "Molekularbiologische Methoden in der Diagnostik", das im Springer-Verlag mit dem Titel: "Molekularbiologische Methoden in der Diagnostik" (Hrsg. H. Lang; W. G. Gúcer; A. J. Driesel) veröffentlicht wurde.

Die vierte Jahrestagung der AGD fand Anfang Oktober 1988 in Düsseldorf statt. Die Organisation für diese Tagung hatte Jürgen Henke übernommen. Die Themenschwerpunkte lagen in den Bereichen DNA-Sonden-Diagnostik bei Erbkrankheiten, neue molekularbiologische Techniken und in der forensischen Anwendung von ONA-Polymorphismen. Zu diesem Zeitpunkt wurden 87 Mitglieder verzeichnet.

Am Rande dieser vierten Arbeitstagung wurde der Wunsch geäußert, die Vorträge dieser und auch zukünftiger Jahrestagungen ausführlich in Buchform in englischer Sprache zu veröffentlichen, damit die Ergebnisse der Jahrestagungen der wissenschaftlichen Gemeinschaft zum Gedanken- und Technologieaustausch zur Verfügung stehen. Alljährlich werden nun in der Reihe "Advances in Molecular Genetics" die Annual Meetings der Arbeitsgemeinschaft für Gen-Diagnostik e.V. im Dr. Hüthig Verlag, Heidelberg, publiziert.

Die fünfte Jahrestagung der AGD fand Mitte September 1989 in Tübingen statt. Im Mittelpunkt dieser Tagung standen Fragen der Grundlagenforschung zur Entschlüsselung von Genomen niederer und höherer Organismen, methodische Ansätze, instrumentelle Entwicklung, rechnergestützte Verfahren sowie die interdisziplinäre Sachdiskussion möglicher Auswirkungen für Mensch, Gesellschaft und Umwelt. Die Organisation dieser Tagung hatte Jost Kömpf übernommen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die AGD 116 ordentliche Mitglieder verzeichnen. Dies spiegelt die kontinuierliche Entwicklung dieser interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft wieder.

Die sechste Jahrestagung der AGD fand Anfang September 1990 in Homburg (Saar) statt. Die Organisation hatte Olaf Issinger übernommen. Der Schwerpunkt dieser Tagung lag auf dem Gebiet der Tumorforschung auf molekularer Ebene. Zum diesem Zeitpunkt wurden im aktuellen Adressenverzeichnis der AGD 145 Mitglieder geführt.